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veröffentlicht am 08.12.2022

Winterliche Brauchtümer in der Heideregion Uelzen

Autor:Ute Bautsch-Ludolfs

Adventskränze, Weihnachtsbäume und Plätzchen sind Bräuche, die für viele Menschen zur Adventszeit dazu gehören. In diesem Beitrag geht es um zwei besondere Traditionen, die zu Weihnachten in der Heideregion Uelzen hoch im Kurs stehen: Der Siebenstern und der Thomsabend.

Der Bevenser Siebenstern

Was den Lüneburger ihr Salz, den Dresdenern ihr Stollen ist für Bad Bevensen der Siebenstern. Ob als Leuchter, Konzert, Gottesdienst oder Lied, in Verbindung mit dem Siebenstern gibt es schon einiges an ortstypischen Besonderheiten. Auch das Stadtbild ist geprägt mit dem Siebenstern nachempfundenen Kupferleuchten, die an Hauswänden hängen.

 

Doch was hat es mit dem Siebensternleuchter auf sich?

Ein Blick in den alten Fritz Bohmann Band, der 1928 ein Buch zur Geschichte von Bevensen und Kloster Medingen veröffentlichte, ist Näheres zu erfahren, auch bei Veröffentlichungen von Pastor Dr. Ulrich Bahrs, Superintendent Martin Stünkel und Dr. Fritz-Werner Riggert. In der Schriftenreihe des Stadtarchivs, uralten Ausgaben des Heidewanderers und einem Heimatboten für das alte Amt Medingen „Der Siebenstern“ lassen sich weitere Erkenntnisse sammeln.

 „Der Siebenstern ist eine uralte deutsche Sitte, viel älter als der kaum 100jährige Weihnachtsbaum“, schreibt Bohmann. Dabei handelt es sich um einen gedrechselten Leuchter, bei dem um eine Mittelstange drei Querhölzer mit Zwischenräumen übereinander aufgesteckt worden sind. Die Querstangen sind drehbar, so dass die Lichter nicht untereinander, sondern etwas erhöht quer zueinander zu stehen kommen. Auf den Querstangen sitzen somit sechs und an der Spitze der Leuchterstange eine weitere Kerze. Nach altem Vorbild ist er 38 Zentimeter hoch und besteht aus weißem Naturholz mit Wachsfarbstrichen. Damals, in den 20er Jahren, kamen aber auch größere Ausführungen auf, in verschiedenen Farben und mit Politur.

Zur Christmette um 6 Uhr am 1. Weihnachtstage –  ein Gottesdienst, der vermutlich aus katholischer Zeit stammt – bringen die  Gottesdienstbesuchenden ihren Hausleuchter mit. Erstmals seit 1842, auf Anraten des Hilfspastors Ludwig Herbst, „da sich Schwierigkeiten im Kirchenvorstande wegen der Bewilligung der Beleuchtungskosten ergaben“, so der Autor. 

Der „Siebenstern-Gottesdienst“ erfreute sich enormer Beliebtheit war übervoll, so dass im Jahre 1972 entschieden wurde, auch an den vier Adventssonntagen nachmittags zu „Siebenstern-Gottesdiensten“ als eine Art Familiengottesdienst einzuladen.

2022 findet der Weihnachtsmarkt in Bad Bevensen zum ersten Mal unter dem Namen „Siebenstern-Weihnachtsmarkt“ statt. Auf dem Platz vor der Dreikönigskirche wird ein über 4 Meter großer Siebenstern-Leuchter aus Metall aufgestellt.

Was bedeutet nun Siebenstern, hat es was mit Siebengestirn zu tun? 

Das lässt sich nicht klar feststellen. Eine Deutung bezieht sich auf das Sinnbild des Himmelswagens (Großer Bär), in manchen Gegenden auch wohl den Himmels- oder Wodanswagen, mit seinen sieben Hauptsternen (vier Rad-, drei Deichselsternen) zugewiesen. Dazu schreibt Dr. Riggert: „Unsere heidnischen Ahnen aber, denen die Zahl sieben heilig war, hatten für dieses Sternenbild die Bezeichnung „Freyas Wocken“. Sie sahen in den drei weichenden Sternen einen aus dem von den vier Grundsternen umgebenen Wocken gesponnnenen Faden. Auf die Anordnung der sieben Sterne von Freyas Wocken geht vermutlich die Form unseres Siebensterns zurück.“ 

Der Siebenstern wird auch mit dem nordischen Lichterbaum, oder mit der Lichterpyramide des Erzgebirges verglichen. Auch gilt die Sieben als heilige Zahl, ein altes hebräisches Symbol. Ihre Sonderstellung im ganzen semitischen Kulturkreis ist wohl auf die Beobachtung der Mondphasen und anderer Gestirnsphänomene und daran geknüpfte astrologische Spekulationen zurückzuführen. 

Eindeutige Wurzeln sind nicht auszumachen. Aber Gegenwärtiges: die Siebensterne leuchten an und in Häusern Bad Bevensens und den umliegenden Dörfern. Und ganz sicher werden sie am 1. Weihnachtsmorgen um 6 Uhr die Dreikönigskirche mit den zwei Weihnachtsbäumen wieder in warmes Licht tauchen – so wie schon fast seit 200 Jahren.

Der Thomsabend – ein alter Brauch im Landkreis Uelzen

Ein alter Brauch lebt im Landkreis Uelzen, insbesondere in kleinen Dörfern, weiter: das Thomssingen. Es ist am 21. Dezember. Der gilt als Tag des heiligen Thomas. Er war der Apostel, der an der Auferstehung des Herrn zweifelte. Erst als er seine Hand in Christi Wunden legen durfte, wurden ihm die Augen geöffnet. Dem Thomas gilt der kürzeste Tag und die längste Nacht des Jahres. Er zweifelte am längsten an Christus und seiner Auferstehung. Somit sollte er in der längsten, dunklen Nacht des Unglaubens verharren.

Einer anderen literarischen Quelle nach ging St. Thomas im Dorfe umher und beschenkte die Kinder, die gut beten konnten.

In den Dörfern machten sich die Kinder am 21. Dezember fertig für ihr „Thomsgehen“. Viele verkleiden und schminken sich. In der großen Kindergruppe geht es dann von Haus zu Haus. Möglichst frisch und kraftvoll werden Advents- und Weihnachtslieder vorgesungen. „Alle Jahre wieder“, „Ihr Kinderlein kommet“ und mehr.

In größeren Orten, so auch in Bad Bevensen, geht es eher in kleinen Gruppen von Geschäft zu Geschäft in der Innenstadt. Und immer werden Lieder gesungen.

Danach winkt den Sangeskünstlern eine Belohnung. Waren früher typisch adventliche Gaben, wie Äpfel, Mandarinen und Apfelsinen, verschiedene Nüsse und leckere Plätzchen, sind jetzt Schokoriegel und andere beliebte Süßigkeiten angesagt. Nichts auszusetzen haben die Kinder auch, wenn es Geld gibt.

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