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veröffentlicht am 27.04.2022

Salz − Stoff des Lebens

Autor:Ines Utecht

Das Salz in der Suppe, das Salz der Erde – das unscheinbare weiße Körnchen spielt in unserer Welt eine wichtige Rolle. Ohne Salz gäbe es kein Leben. Neben Sauerstoff und Wasser gehört es zu den überlebensnotwendigen Stoffen. In Bad Bevensen ist das Salz noch in anderer Hinsicht wichtig: Es sprudelt, in Verbindung mit Jod, in der Therme und verwöhnt Körper und Seele. Was genau aber macht das Salz mit uns, ob nun beim Essen oder beim Baden?

Salz besteht aus den Mineralien Natrium und Chlor. Oft es ist mit Jod angereichert, was wiederum die Schilddrüse benötigt, um lebenswichtige Hormone zu produzieren. Salz reguliert den Wasserhaushalt im menschlichen Körper und leitet Reize weiter. Der Körper kann den Mineralstoff nicht allein herstellen, also muss dieser durch Nahrung zugeführt werden. Über die Nieren und durchs Schwitzen wird er wieder ausgeschieden. Zuviel Salz macht jedoch krank. Es steht im Verdacht, Magenkrebs, Osteoporose und Nierensteine zu begünstigen. 

Aber auch zu wenig Salz kann gefährlich werden. Wer stark oder oft schwitzt, bei dem kann der Salzgehalt im Körper stark abfallen. Kopfschmerzen und Leistungsabfall, sogar Ohnmachten können die Folge sein. Wer zu wenig Kochsalz zu sich nimmt, riskiert außerdem, dass Adrenalin und Cholesterinspiegel steigen – ein Risiko für Herz und Gefäße.

Salzgehalt in der Nahrung

Was also tun? Gefragt ist eine ausgewogene Salzzufuhr. Abhängig davon, wie schwer wir arbeiten oder uns körperlich betätigen, gelten durchschnittlich 6 Gramm Salz am Tag als ausreichend. Für die meisten Menschen schwer einzuhalten. Zuviel Salz ist in Lebensmitteln versteckt, nicht nur in Chips und Pommes, sondern schon in Brot, Wurst und Käse. Wer sich bei der Arbeit körperlich nur wenig anstrengen muss, für den reicht sogar ein Gramm. Dennoch nimmt ein Deutscher im Durchschnitt täglich 8 Gramm Salz zu sich. 

Eine Möglichkeit ist, sparsam zu salzen und stattdessen mit frischen Kräutern zu würzen. Dabei gilt Meersalz im Vergleich zum raffinierten Speisesalz als gesünder. Auch der Verzicht auf Fertiggerichte und -produkte hilft, weniger Salz zu sich zu nehmen. Wer in heißen Regionen lebt oder viel Sport treibt und schwitzt, darf den Salzstreuer auch etwas häufiger benutzen.

Sole in der Lüneburger Heide

Salz bzw. Sole hat einen Teil der Lüneburger Heide gewissermaßen geprägt. In der alten Salzstadt Lüneburg wurde vor mehr als tausend Jahren damit begonnen, Sole aus dem Lüneburger Untergrund ans Tageslicht zu befördern. In der Saline wurde die Sole solange in riesigen Bleipfannen gekocht, bis das reine Salz übrigblieb. Die Lüneburger nutzten es, um zum Beispiel Fisch haltbar zu machen, den sie, wie das reine Salz in Fässern, bis in den Ostseeraum transportierten. Durch den Handel mit dem kostbaren Gut wurde Lüneburg reich und mächtig. Erst im 18. Jahrhundert verlor Lüneburg seine salzige Vormachtstellung durch zunehmende Konkurrenz der Mittelmeerländer.

Die Spuren des Salzes zeigen sich überall in der Stadt, in der reichen Architektur der Giebel- und Patrizierhäuser, im Salzmuseum auf dem ehemaligen Salinengelände und in der Salztherme. Immer wieder waren – und sind – Gebäude einsturzgefährdet, weil der ausgehöhlte salzige Untergrund nachgab. Krumme und schiefe Häuser zeugen noch heute davon. 

Die Geschichte und Bedeutung des Salzes für Lüneburg und global lässt sich im Salzmuseum nachvollziehen.

Deutsches Salzmuseum

Keine 30 km südlich von Lüneburg stieß man in der Nähe Bevensens beim Bohren nach Erdgas im Jahr 1964 eher zufällig auf eine stark eisen- und jodhaltige Solequelle. Der Solegehalt betrug sensationelle 30%. Zum Vergleich: Das tote Meer hat einen Salzgehalt von 33%. Eine weitere Bohrung direkt in Bevensen erschloss eine weitere Quelle. Die Stadtvorderen reagierten flugs, denn es war bekannt, dass derartige Quellen sich besonders für medizinische Badeeinrichtungen eigneten. 1968 wurde sie als Thermal-Sole-Quelle erschlossen, im gleichen Jahr wurde mit dem Bau des Kurzentrums begonnen. Der Aufstieg Bevensens, ab 1975 Bad Bevensen, als touristischer Kurort begann.

Sole in den Thermen der Lüneburger Heide

Die Jod-Sole-Therme, wie sie heute genannt wird, ist in den vergangenen Jahrzehnten stets erweitert und modernisiert worden. Das Thermalwasser sprudelt nach wie vor in hoher Konzentration, gespeist aus den zwei Quellen, auf die man in den 1960er Jahren gestoßen war. 11,7 % und 10,3 % - so hoch ist der Sole-Gehalt der Quellen. Bereinigt von Mangan und Eisen, beträgt der Solegehalt immer noch zwischen 3 und 5% im Wasser der Innen- und Außenbecken – wie auf Wolke Sieben schwebt es sich darin. In der Salztherme Lüneburg enthält das Wasser zwischen 1,5 und 4% Sole. 

In beiden Orten tröpfelt die Sole außerdem von Gradierwerken und versprüht feinen salzigen Nebel – Labsal für Lunge und Bronchien und entspannend obendrein. In Lüneburg sind Bänke vor dem Gradierwerk im Kurpark aufgestellt; hier lässt sich die Sole gemütlich inhalieren. In Bad Bevensen sind zwei Gradierwerke in die Therme integriert, eins drinnen in den Erlebnisräumen der ‚Sole-Welt‘ und eins draußen im Saunagarten.

Ruheraum in der Solewelt der Jod-Sole-Therme Bad Bevensen

Prickelndes Salz auf der Haut

Es kribbelt herrlich auf der Haut, wenn man ins wohligwarme salzhaltige Wasser der Jod-Sole-Therme steigt. Ist das der „osmotische Reiz“, mit dem die Kurgesellschaft die Wirkung des Minerals auf den Körper umschreibt? Tatsächlich entzieht Salz dem Körper Wasser und führt es ihm wieder zu – die Wechselwirkung bezeichnet man als Osmose. Spezielle Rezeptoren der Haut nehmen diese Reize wahr und leiten sie weiter ans Gehirn – perfekt ist das wohlige Sole-Entspannungsgefühl.

Gesundheitliche Indikationen der Jod-Sole

Eine ganze Reihe gesundheitlicher Wohltaten werden der Jod-Sole zugeschrieben – es hilft gegen Rheuma, bei Knochen- und Gelenkbeschwerden sowie Herz-, Gefäß- und Kreislauferkrankungen, es unterstützt Bronchial- und Lungenfunktionen und lindert auch noch Stress-Symptome. Erstaunlich, was das kleine weiße Körnchen alles vermag.

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