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Unterwegs zu den "Vögeln des Glücks"

Kaum ein Tier verkörpert das „Sehnsuchtsvolle“ mehr als der Kranich, der Jahr für Jahr auf breiten Schwingen durch Europa gleitet, die Fantasie beflügelt und für allerlei Poetisches stehen mag. „Seht jene Kraniche in großem Bogen!“, seufzte deshalb auch schon Bert Brecht in melancholischen Zeilen, „Die Wolken, welche ihnen beigegeben/ Zogen mit ihnen schon als sie entflogen/ Aus einem Leben in ein anderes Leben.“

1978, als der Kranich zum Vogel des Jahres gewählt wurde, zählte er – zumindest in West-Deutschland – zu den seltensten Arten überhaupt. Diese bedrohten Zeiten sind vorbei, inzwischen hat sich sein Bestand merklich vermehrt und doch: Der Kranich bleibt etwas besonders Sehenswertes, wenn er auf langen Beinen durch Felder und Wiesen schreitet, dabei manchen Landwirt verärgert, aber Vogelfreunde entzückt, oder in riesigen Pfeil-Schwärmen durch den Himmel zieht. In vielen Kulturen auf der Welt sind der Inbegriff für Glück und Freiheit.

Bedeutendes Brutrevier

Zu den bevorzugten Lebensräumen in Niedersachsen zählt der Landkreis Uelzen und hier vor allem das bei Bad Bodenteich gelegene Schweimker Moor und der Lüderbruch. Das vom Torfabbau geprägte Gebiet zwischen Lüder im Norden und Gifhorn im Süden wurde Mitte der 1980er Jahre als inzwischen wieder vernässtes Hochmoor gemeinsam vom Land Niedersachsen und dem Landkreis Uelzen erworben – und ist als EU-Vogelschutzgebiet seitdem Heimat für insgesamt rund 90 Brutvogelarten, darunter selten gewordene Kandidaten. Krickenten, Kiebitze und Bekassinen, Braunkehlchen und Neuntöter bauen hier, zwischen Moorheide und Pfeifengras, ihre Nester. Gleichzeitig ist es einer der bedeutendsten niedersächsischen Kranichbrutplätze – denn sie machen nicht nur zur Durchreise gern Station hier, sondern ziehen in Paaren an diesem zum Bleiben auserkorenen Ort ihre Jungen auf.

 

Weiter Blick in die Natur

Mit ein bisschen Glück oder zumindest einem Fernglas lässt sich von diesem Wildleben und den pausierenden Kranichen vom Aussichtsturm im Schweimker Moor eine Menge beobachten. Fast unendlich weit tut sich die krause Vegetation aus Binsen und kurzen Sträuchern, aus Gräsern und Heide in matten Farben von Gelb und Braun vor den Augen auf. Wunderschön und irgendwie unwirklich ist dieses Kleinod im Süden unseres Landkreises, bei dem nur die Windräder im Hintergrund erahnen lassen, dass die Zivilisation eigentlich doch nicht so fern ist. Falls man die Vögel vom Aussichtsturm nicht sehen sollte, empfiehlt es sich, ca. 500 m vor dem Abzweig zum Aussichtsturm in den Wiesen Ausschau zu halten.

Refugium bedrohter Arten

Nur rund 20 Kilometer Kranichluft-Route nordöstlich liegt das Kiehnmoor – zwischen Suderburg und Eimke, ziemlich direkt am und anteilig auf dem Gebiet des Rüstungskonzerns Rheinmetall. Im Gegensatz zum Schweimker Hochmoor, das sich ausschließlich aus Regenwasser speist, ist das Kiehnmoor ein Feuchtgrünlandgebiet, das von der Gerdau durchzogen wird. Ein großer Stausee, angelegt vor mehr als 80 Jahren, ist das Tor zu diesem beispiellosen Refugium, das in seiner Abgeschiedenheit am Rande des Waffenerprobungsgebietes Lebensraum für eine Vielzahl seltener Tiere wie den Eisvogel, die Sumpfohreule und tatsächlich sogar den Seeadler ist. Und ja: Auch der Kranich ist hier oft zu beobachten in den sumpfigen Gebieten und angrenzenden Feldern. „Schaurig ist`s übers Moor zu gehen“, flüsterte Annette von Droste-Hülshoff zu ihrem „Knaben im Moor“, allerdings ist das wirklich nur die halbe Wahrheit. Denn egal, ob Nebel aus den Auen steigen oder die Sonne über Gräsern leuchtet: Die Moore der Heideregion Uelzen sind jeden Besuch wert. Und das zu jeder Jahreszeit – auch wenn Herbst und Frühjahr besonders geeignet sind, um Kranichschwärmen sehnsuchtsvoll hinterher zu schauen.

Nabu-Biotop in Molbath

Flächenmäßig relativ kein, aber dennoch ein bedeutendes Refugium für viele Wasservögel, ist das Nabu-Biotop in Molbath. Eine Beobachtungskanzel erlaubt auch hier den Blick auf Kraniche, Zwergtaucher, Nachtigallen und und andere Arten. Auch Greifvögel können hier regelmäßig aus direkter Nähe beobachtet werden. Ein spannendes Naturschauspiel bietet die große Population von Moorfröschen: zur Laichzeit, im März/April, färben sich die Männchen für einige Tage blau.

Beliebter Schlafplatz: Wasserspeicher Stöcken

Bis zu 200 Kraniche nutzen allabendlich den Wasserspeicher in Stöcken als Schlafplatz. Graugänse, Blässgänse, Saatgänse, Nilgänse, Gr. Brachvögel, Austernfischer, Waldwasserläufer, Grünschenkel, Rotschenkel, Alpenstrandläufer, Kampfläufer, Flussuferläufer, Flussregenpfeifer, Rotmilan, Wanderfalke, Rohrweihe, Seeadler und fast allen Entenarten sind hier regelmäßig zu Gast. Ein Beobachtungsstand auf dem Damm ermöglicht auch hier die ungestörte Beobachtung.

 

Per Fahrrad zu den Kranichen:

Neben der „Kranichroute“, die am Nabu-Biotop Molbath, in der Nähe des Wasserspeichers Stöcken und am Wippperautal Molzen entlang führt, bieten die Radrundwege „Berg und Tal“, die „Heidschnuckentour“, die „Heideblütentour“ und die Strecke „Alte Ritter, wilde Pferde“ gute Chancen, unterwegs den „Vögeln des Glücks“ zu begegnen. Ausführliche Routenbeschreibungen, Detailkarten und GPS-Tracks  finden Sie in unserem Webportal radregion-uelzen.de. Eine kostenlose Radkarte können Sie über unseren Shop bestellen.

 

Text: Janina Fuge
Fotos: Maike Sprengel-Krause / CC BY-SA